Liquidation einer Firma


#1

Liebe Community

Mein Kollege wandert aus der Schweiz aus und will nun seine Firmen in der Schweiz auflösen. Sollte er eine Liquidation veranlassen, oder wäre es besser, wenn er alle Transaktionen aufhebt und die Firmen als Mantelfirmen weiterführt?

Danke für Eure hilfreiche Inputs.

Finanzheini


#2

Hallo Finanzheini
Deine Frage ist ohne Kenntnis der Umstände fast nicht zu beantworten. Folgende Punkte kommen mir da spontan in den Sinn (gilt nur für den Fall von juristischen Personen):
Liquidation

  • Beschluss Liquidation
  • Schuldenrufe (3x)
  • 1 Jahr Wartefrist
  • Steuern abrechnen und Vermögenswerte verteilen
    Inaktive Gesellschaft
  • Gesellschaft kann später reaktiviert werden
  • Verkauf der Gesellschaft
  • Buchführung und Steuererklärung
    Fragen, welche sich aufdrängen:
  • Gibt es Verlustvorträge?
  • Sind stille Reserven vorhanden?
  • Sind registrierte Aktiven vorhanden (Liegenschaften, Patente, Rechte, etc.)?
  • Zweck der Gesellschaft?
  • Gründungsdatum?
  • Grundkapital/ Gesellschaftsform?
  • Unbezahlte Verbindlichkeiten?
  • Hängige Rechtsfälle?
    Fazit
    Möchte dein Kollege nichts mehr damit zu tun haben, so drängt sich die Liquidation auf. Diese benötigt aber mindestens 12 Monate, ausser du hast eine Revisionsstelle, welche dir die vorzeitige Vermögensverteilung bescheinigt (3 Monate). Sofern der Aufwand für die periodische Buchführung und Steuererklärung nicht ins Gewicht fallen, verbleiben dir mehr Handlungsalternativen, wenn du die Gesellschaft inaktiv stellst. Sofern es sich bei den Firmen deines Kollegen nicht um juristischen Personen handelt, dann ist alles nochmals ganz anders.

Beste Grüsse
Silversurfer


#3

Hallo Silversurfer

Vielen Dank für deinen hilfreichen Input.

Jetzt weiss ich besser bescheid über die Vor- / Nachteile der jeweiligen Lösung. Sehr spannend.

Zu deinen fragen: Hier kann ich eigentlich alles mit “nein” beantworten. Es handelt sich um einen sehr einfachen Fall mit wenig Komplexität.

Ich denke nicht, dass wenn mein Freund nun alle Verträge / Transaktionen kündigt und aufhebt, dass er dann Schwierigkeiten mit der fortlaufenden Buchhaltung und den Steuererklärungen hat.

Wäre es in diesem einfachen Fall ratsam, die Firma als Mantel weiter zu betreiben? So kann er die Firma allenfalls in Zukunft wieder ins Leben rufen oder verkaufen.

Natürlich ist er jedoch auch nicht abgeneigt gegenüber einer Liquidation, weil diese ja im Verlaufe der Zeit mit weniger Aufwand verbunden ist. Hier stellt sich allerdings die Frage, wie viel ein Liquidations-Verfahren in etwa kostet?

Beste Grüsse
Finanzheini


#4

Hallo Finanzheini
Ein Liquidationsverfahren ist eigentlich keine teure Angelegenheit. Diesen Prozedere kann grundsätzlich jedermann - bei Bedarf mit punktueller Hilfe - durchführen. Da bleiben die Kosten tief. Insbesondere, wenn dein Kollege es nicht eilig hat und die 12 Monate warten kann. Ansonsten braucht es eine Bestätigung eines Revisionsexperten. Das wäre dann wohl der teuerste Posten.

Sofern die in der inaktiven Gesellschaft gebunden Mittel überschaubar sind, kann dein Kollege ruhig mal abwarten und schauen, wie sich die neuen Projekte im Ausland entwickeln. Für die Gesellschaften in der Schweiz braucht es aber ein Domizil, ein in der CH wohnender Verwaltungsrat/ Geschäftsführer und jemand der die Corporate Housekeeping-Arbeiten (Buchhaltung, Schriftverkehr, Steuererklärung, etc.) erledigt. Je nach Situation laufen hier jährliche Kosten auf. Eine Liquidation könnte dann zu einem späteren Zeitpunkt immer noch an die Hand genommen werden. Wenn die Gesellschaft aber gelöscht ist, sind die ganzen Gründungsaufwendungen, etc. weg.

Beste Grüsse
Silversurfer


#5

Lieber Silversurfer

Du hast mir sehr geholfen.

Besten Dank und viele Grüsse
Finanzheini


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